Bernhard Schroth heißt der neue Chefredakteur der INSPECT. Er kehrt zu seiner publizistischen Heimat zurück, wie er selbst sagt:
Daheim, ein schönes Wort, das Vertrautheit verspricht und in mir gute Gefühle auslöst. Mit meinem Wechsel auf den Stuhl des Chefredakteurs der INSPECT ist für mich ein Stück einstiger Vertrautheit zurückgekehrt, denn ich bin dem Thema Bildverarbeitung wieder näher gerückt.
Die Bildverarbeitung hatte mich über fast zwei Jahrzehnte hinweg beruflich in ihren Bann gezogen. Erst als tüftelnder Anwender in den Geowissenschaften, dann professionell in Vertrieb und Marketing auf der Seite der Anbieter und schließlich als Zeitschriftenmacher mit der GIT Publikation „Imaging & Microscopy“. Die Bildverarbeitung hat mich persönlich interessiert und ihre praktisch realisierte und theoretisch vorstellbare Einsatzbreite hat nie aufgehört, mich zu faszinieren. Mit den Erfahrungen und Eindrücken, die sich mir einprägt haben, blieb etwas hängen, das man nicht einfach mit dem Mantel an der Garderobe abgeben kann. Nach einigen Jahren der Abstinenz, während derer ich mich in andere Themenfelder hineingearbeitet habe, bin ich jetzt wieder daheim, bei der Bildverarbeitung.
Jeder Wechsel bringt Neues, bring Herausforderungen, bringt Chancen. Die INSPECT bedeutet für mich alles drei.
Vision, Automation und Control, die Hauptrubriken unserer INSPECT, enthalten viel Vertrautes, das ich in der Material- und Werkstoffkunde, in der Medizin und den Biowissenschaften oder in Verbindung mit Fragestellungen der Qualitätskontrolle kennengelernt habe. In den deutlichen Unterschieden steckt die neue Faszination für mich, in den verwendeten Technologien und den unglaublich vielschichtigen und anspruchsvollen Lösungsansätzen aus den „Hexenküchen“ der Experten.
Im Rahmen meiner eigenen Erfahrungen hatte mir der Einsatz automatisierter Mikroskope und Kreuztische schon eine Idee von dem gegeben, was Vision, Automation und Control bedeuten können. Ich hatte aber auch erkannt, dass beim Schritt heraus aus dem Labor und hinein in die industrielle Umgebung die Karten neu gemischt werden.
Trotz aller Unterschiede zwischen Labor- und Feldanwendungen gibt es natürlich auch die große und stabile Klammer. Es ist die Herausforderung, das menschliche Sehen ein Stück weit nachzuvollziehen. Und genau hier entfaltet sich die unwiderstehliche Anziehungskraft des Themas. Egal aus welcher Perspektive und mit welcher Zielsetzung man an diese ungeheure physiologische Leistung herangeht.
Einen Nagel mit wenigen Schlägen in eine hölzerne Tischplatte zu treiben, ist eine menschliche Leistung, die niemanden besonders beeindruckt, sofern der Tisch nicht aus der Zeit Ludwig XIV stammt. Ebenso schaffen es die meisten, einen randvollen Suppenteller vom Topf zum Tisch zu tragen. Den Flüssigkeitsspiegel immer fest im Blick behaltend. Verbindet man dem Hämmernden jedoch die Augen, und schaut beim Transport der Suppe starr auf den vor sich liegenden Tisch, so werden beide Aktionen zu einem echten Abenteuer für die unglücklichen Testpersonen. Betrachtet man dann noch die entstandenen Kollateralschäden, versteht man unmittelbar, wie unglaublich komplex die Leistungen der Auge-Hirn-Kombination sind.
Ich habe jetzt das Themenfeld der INSPECT vor Augen und mit der Unterstützung eines erstklassigen Teams freue ich mich auf das Neue, die Herausforderungen und die Chancen. Mir wurde zudem glaubhaft vermittelt, dass die Community, mit der ich jetzt tun habe, ausgesprochen angenehm sei, aber sehr genau und kritisch hinschaue. Nichts anderes würde ich von Experten aus diesem feinen und intelligenten Feld der Technologie und der industriellen Anwendungen erwarten.